Rollen, Werte, Motive im ehrenamtlichen & freiwilligen Engagement im Landkreis Landsberg / Lech

2016.01.10 Werte+Rolle_EA-Schulung_Erweitert  als PDF

Gerade in der heutigen Zeit in der Flüchtlingskrise ist der Einsatz von ehrenamtlich tätigen Menschen gefragt. Ihr Einsatz orientiert sich an mehr oder weniger bewussten Werten und Motiven und sollte sich an einem Pragmatismus orientieren, der die reale & ideelle Belastung steuert.

Das Bewusstsein der eigenen Grenzen wie derjenigen Grenzen der anderen Menschen, für die sich ehrenamtlich tätige Menschen einsetzen, hilft einer Überbelastung beiderseits vorzubeugen. Welche Werte und Rollen bedingen meinen Einsatz als Ehrenamtliche/r und welche Motive treiben uns zu altruistischem Verhalten an, das bewusste Wissen darum kann uns Orientierung und Ordnung vermitteln für unser Handeln. Unser Handeln und Rollenverhalten im Bereich der Hilfe für Asylsuchende, Flüchtlinge und Migranten erfolgt im prozessualen Rahmen von Integration und Inklusion. Die Menschen einer Gesellschaft, die nicht zur Inklusion anderer bereit sind, können von anderen keine Integration verlangen bzw. eine integrative Leistung bereitstellen.

Das Ziel soll sein: im Alltag funktionierende Lebens- und Arbeits-Gemeinschaften auszubilden, die von einem Zusammengehörigkeitsgefühl und einem ähnlichen Rollen-Verständnis von gelebten Traditionen, Normen, Regeln und Werten in der Bewältigung des gemeinsamen Alltages getragen werden. Dabei gilt es zu beachten: Wie bei der Inklusion gilt es im Verlaufe der Integration nicht um die Aufgabe der eigenen der anderen persönlichen wie kulturellen Identität sondern um eine kulturelle Anpassungsleistung („Kulturleistung“), die ein Miteinander-Leben und eine gelungene Individuation unter den neuen Bedingungen des Miteinander ermöglicht!

Es gibt nicht nur ein Grundrecht auf „Inklusion“ und sondern auch ein Anrecht auf „Integration„. Inklusion & Integration als Werte gesteuerte Handlungsinitiativen versuchen Zustände von Exklusion, Separation wie Desintegration entgegen zu wirken. Letztere Zustände beeinträchtigen das Gefühl & den Wert der „Zugehörigkeit“ zu ihren, als Heimat empfundenen, Lebensraum und zu ihrer Lebenswelt, die durch „Ungleichheit“ wie durch Fremdheit / Unvertrautheit nicht mehr als heimelig erlebt wird. Inklusion & Integration können das Unbehagen gegenüber dem Ausgeliefert-Sein gegenüber Anderen / Anderem aktiv verringern.

Wir als ehrenamtlich Tätige haben durchaus die Wahl (siehe: Possibilismus) unseren Einsatz an unseren Möglichkeiten wie an die Möglichkeiten der Situation, in die hinein wir uns verwirklichen wollen und die unseren Einsatz erfordert, anzupassen. Wir bestimmen, wie weit unser Engagement geht und wie lange es dauern soll. Hilfreich für eine solche pragmatische und possibilistische Entscheidung ist das Wissen um die Rollen, Werte & Motive, die unser Beistandsverhalten bedingen und uns helfen, zwischen unseren Selbstinteressen und den Interessen anderer abzuwägen.

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Die Grenzen unseres Einsatzes können auch dadurch eingehalten werden, wenn wir uns klarmachen, welche Aufgaben offiziell an uns gestellt werden und zu welchen Aufgaben wir bereit & fähig sind.

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Worauf wollen und können wir uns gestalterisch einlassen, wo sind unsere Grenzen an Fertigkeiten, Kompetenzen, unserer Lebenszeit aber auch wieweit, worauf & wozu wollen & können wir uns einlassen in unserem ehrenamtlichen Einsatz? Je genauer wir unsere Rolle, Motive kennen und die Werte, die unseren Motiven zugrunde liegen, desto planvoller und ökonomischer können wir unseren ehrenamtlichen Einsatz gestalten.

Es geht nicht nur darum, was können wir tun, sondern auch was wollen wir wie lange und mit welcher Stärke des Einsatzes tun. Unser Handeln, Denken & Fühlen orientiert sich an der Pragmatik, wie mit einer Situation ökonomisch bewusst umgegangen wird im Einsatz von Zeit, Kräften, Hilfsmitteln und Fertigkeiten / Kompetenzen. Ein bewusst gewolltes Handeln beugt unbewusster Selbstausbeutung und Erschöpfung wie der Desillusion unseres Handelns vor.
Ehrenamtliche & Freiwillige eingebunden in den Prozess der Integration mit der Unterstützung von hauptamtlich & professionell Tätigen und den durch den Staat gegebenen Rahmenbedingungen ermöglichen in konkreten Einheiten erst Integrationen. Der Staat ist zuständig für die Voraussetzungen, damit Integration gelingen kann. Die Ehrenamtlichen wie Hauptamtlichen, die an diesem Prozess zum Wohle und Entwicklung der Menschen vor Ort teilnehmen, die sich in die bestehende Gesellschaft integrieren wollen, vollziehen das eigentliche Angebot der Integrations-Leistung in der Region.

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Hilfreich beim Erkennen unserer Möglichkeiten und unseres Wollens, uns in die Hilfs-Situation einzulassen, und dem Erkennen unserer Grenzen kann die Reflexion unseres Tuns, unserer Motive, Werte & Gefühle und unserer Rolle dabei in einem Coaching sein.

Aspekte dieser Reflexion sind Rollen, Werte, Motive im Tun für Andere, der Nutzen unseres Tuns für Andere aber auch für Uns selbst. Was erwarten / erhoffen wir uns (mehr oder weniger) bewusst, aus unserem Einsatz als Ehrenamtliche nicht nur für Andere sondern auch für uns selbst zu gewinnen?